Brasilien: Homo-Hasser gewinnt erste Runde bei Präsidentschaftswahl

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro ist der große Sieger der ersten Runde der Präsidentschaftswahl.

Brasilien: Homo-Hasser gewinnt erste Runde bei Präsidentschaftswahl

Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat der Rechtspopulist und erbitterte LGBTI-Gegner Jair Bolsonaro die erste Runde klar gewonnen, muss aber in die Stichwahl. Der höchst umstrittene Politiker erzielte bei dem Urnengang laut Wahlbehörde am Sonntag rund 47 Prozent der Stimmen. Auf dem zweiten Platz landete mit rund 28 Prozent der sozialdemokratische Kandidat Fernando Haddad von der Arbeiterpartei von Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva. Die beiden Kandidaten müssen damit bei einer Stichwahl am 28. Oktober gegeneinander antreten.

Der Ausgang der Wahl ist ein Triumph für Bolsonaro, der häufig als "Donald Trump Brasiliens" bezeichnet wird. Umfragen hatten den 63-Jährigen zuletzt bei rund 36 Prozent gesehen – bei der Wahl erhielt er nun deutlich mehr Stimmen.

Ganz im Stile Trumps erklärte Bolsonaro am Wahlabend, dass er eigentlich bereits in der ersten Runde die absolute Mehrheit erreicht hätte, es aber "Probleme" mit den elektronischen Wahlurnen gegeben habe. Er werde nun vom Obersten Wahlgericht "Lösungen" verlangen. Anhänger des Rechtspopulisten versammelten sich am Abend vor dem Wahlgericht in der Hauptstadt Brasília und schrien "Betrug, Betrug, Betrug!"

Abfällige Bemerkungen über Frauen, Homosexuelle und Schwarze

Der Ex-Offizier und Verteidiger der früheren Militärdiktatur (1964 bis 1985) hat für den Fall eines Wahlsiegs einen harten Kampf gegen Korruption und Kriminalität angekündigt und will die Waffengesetze lockern. Anfang September wurde er bei einer Messerattacke während eines Wahlkampfauftritts verletzt. Mit abfälligen Bemerkungen über Frauen, Homosexuelle und Schwarze polarisiert er die brasilianische Gesellschaft.

Insbesondere Homophobie gehört zu den Markenzeichen Bolsonaros: Der Rechtspopulist, der seit 1991 dem brasilianischen Parlament angehört, erklärte etwa, er würde gerne eine heterosexuelle Pride-Parade und ein Gesetz gegen die Diskriminierung von Heterosexuellen etablieren. International bekannt wurde er durch sein Interview mit Stephen Fry in dessen Dokumentation "Out There", in dem er die Existenz von homophober Gewalt in Brasilien verleugnete und verkündete, dass kein brasilianischer Vater jemals Stolz auf einen schwulen Sohn wäre.

Direktlink | Interview von Jair Bolsonaro mit dem britischen Schauspieler Stephen Fry

Vergangenes Jahr verurteilte ihn ein Gericht wegen Volksverhetzung zur Zahlung von 150.000 Real (34.000 Euro) – Anlass war ein Interview aus dem Jahr 2011, in dem er unter anderem erklärt hatte, dass seine Kinder nie einen schwulen Sohn zur Welt bringen würde, weil sie eine "gute Erziehung" genossen hätten. Bei dem Interview fügte er hinzu, dass er einen schwulen Sohn nicht lieben könne: 
"Mir wäre lieber, er würde bei einem Unfall sterben", so Bolsonaro.

Bei der Wahl waren rund 147 Millionen Bewohner des südamerikanischen Landes aufgerufen, einen Nachfolger für den unbeliebten konservativen Staatschef Michel Temer zu wählen. Insgesamt traten 13 Kandidaten an.

Die Arbeiterpartei hatte Haddad als Ersatzkandidaten für den wegen Korruptionsvorwürfen verurteilten und inhaftierten Ex-Staatschef Lula ins Rennen geschickt. Lula war von 2003 bis 2011 Präsident und ging in seiner Amtszeit auf LGBTI-Aktivisten zu. Er hatte lange Zeit dafür gekämpft, doch noch kandidieren zu können. Haddad, der frühere Bildungsminister unter Lula und spätere Bürgermeister der Millionenmetropole São Paulo, hatte deswegen nur einen Monat Zeit für den Wahlkampf. Der 55-Jährige setzte sich in seiner Zeit als Bildungsminister gegen teils erhebliche Widerstände für eine bessere LGBTI-Aufklärung an öffentlichen Schulen ein.

  Bolsonaros Gegenkandidat Fernando Haddad (hier beim CSD in São Paulo 2012 gemeinsam mit der damaligen Kulturministerin Marta Suplicy) rechnet sich trotz des immensen Rückstands im ersten Wahlgang noch Chancen aus (Bild:  Ministério da Cultura / flickr)

Bolsonaros Gegenkandidat Fernando Haddad (hier beim CSD in São Paulo 2012 gemeinsam mit der damaligen Kulturministerin Marta Suplicy) rechnet sich trotz des immensen Rückstands im ersten Wahlgang noch Chancen aus (Bild:  Ministério da Cultura / flickr)

 

Zwar landete Bolsonaro in der ersten Wahlrunde weit vor Haddad. Die Stichwahl in drei Wochen dürfte aber deutlich enger werden. Für viele Wähler ist der Rechtspopulist Bolsonaro ein rotes Tuch. Der 55-jährige Haddad dürfte die Unterstützung vieler im ersten Wahlgang unterlegener Kandidaten bekommen. Umfragen hatten zuletzt für die Stichwahl einen sehr knappen Ausgang vorhergesagt. Haddad sprach am Wahlabend vor Anhängern von einer "goldenen Chance". "Wir wollen die Demokraten dieses Landes vereinen."

Vor allem die Benachteiligten in Brasilien trauern bis heute Lula nach, der umfassende Sozialprogramme für die Armen aufgelegt hatte. Während seiner Amtszeit erlebte das lateinamerikanische Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch in der Amtszeit seiner Parteifreundin und Nachfolgerin Dilma Rousseff rutschte Brasilien in eine tiefe Rezession. Rousseff wurde 2016 wegen mutmaßlicher finanzieller Vergehen des Amtes enthoben. Viele Brasilianer machen die Arbeiterpartei für die wirtschaftliche Misere und die weitverbreitete Korruption verantwortlich.

 

Quelle: queer.de/red

Bild Quelle: Gustavo Lima / Zeca Ribeiro / Agência Brasil / wikipedia)



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