Homophobie: Staatsanwaltschaft fordert Geldstrafe für Jean-Marie Le Pen

Der rechtsextreme Politiker soll wegen Aufstachelung zum Hass auf Homosexuelle 8.000 Euro zahlen.

Homophobie: Staatsanwaltschaft fordert Geldstrafe für Jean-Marie Le Pen

Die Staatsanwaltschaft in Paris hat am Mittwoch vor Gericht eine Geldstrafe wegen Volksverhetzung in Höhe von 8.000 Euro gegen Jean-Marie Le Pen, den ehemaligen Chef der rechtsextremen Partei "Front National", gefordert. In ihrem Strafantrag erklärte die Anklägerin, der 90-Jährige habe "klar zur Ächtung von Homosexuellen aufgerufen".

Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit erschien Le Pen nicht persönlich vor Gericht. Das Urteil soll am 28. November verkündet werden. Der Rechsextremist war während seiner jahrzehntelangen politischen Laufbahn bereits mehrfach wegen antisemitischer und rassistischer Äußerungen verurteilt worden.

Le Pen warnte vor "Verherrlichung der Homosexualität"

Im neuen Verfahren geht es konkret um mehrere Äußerungen des 90-Jährigen aus dem Jahr 2016: In seinem Blog hatte er im Frühjahr die angebliche "Verherrlichung der Homosexualität" beklagt und kritisiert, dass der Partner des von Terroristen getöteten Polizisten Xavier Jugelé bei einer Gedenkveranstaltung sprechen durfte .

Des weiteren werden ihm homophobe Aussagen in einem Interview aus dem Dezember 2016 mit der Zeitung "Le Figaro" zur Last gelegt, in dem Le Pen gesagt hatte: "Mit den Homosexuellen ist es wie mit dem Salz in der Suppe: Wenn es zu wenig davon gibt, ist sie fade, wenn es zu viel gibt, ist sie ungenießbar." Zudem soll das Gericht eine weitere Äußerung beurteilen, mit der Le Pen Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt hatte. Sollte der Politiker, der seit 1984 Mitglied des Europaparlaments ist, zu einer Geldstrafe verurteilt werden und diese nicht bezahlen, müsse er in Haft genommen werden, so die Staatsanwältin.

Jean-Marie Le Pen war bis 2011 Chef des von ihm Anfang der Siebzigerjahren gegründeten "Front National". 2015 drängte ihn die neue Chefin, seine Tochter Marine Le Pen, aus der Partei, nachdem er zum wiederholten Male den Holocaust geleugnet hatte. 

Marine Le Pen fuhr die antijüdische und antihomosexuelle Rhetorik zwar zurück, änderte aber nur wenig an der homophoben und ausländerfeindlichen Ausrichtung ihrer Partei. Um den Bruch zu ihrem Vater deutlich zu machen, ließ sie im Juni diesen Jahres den Parteinamen in "Rassemblement National" (Nationale Sammlungsbewegung) ändern. Die Rechtsextremisten profilieren sich derzeit besonders über ihre Ablehnung von Muslimen und der Europäischen Union sowie über die Nähe zu Russland, dessen Regierung die Partei teilweise finanziert; Marine Le Pen bezeichnete den russischen Staatschef Wladimir Putin als "Verteidiger des christlichen Erbes der europäischen Zivilisation".

 

Quelle: queer.de/red

BildQuelle: Blandine Le Cain /flickr



Bist du schon Mitglied von WomConnect? WomConnect hat noch einiges mehr drauf als du denkst! Registriere dich jetzt kostenlos und entdecke WomConnect. Jetzt starten!